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Kurz notiert:

Wirtschaftsentwicklung in Russland

Laut einer Prognose des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung und Handel wird das Bruttoinlandsprodukt Russlands im Jahre 2007 um 6 % wachsen. Die Jahresinflation wird zwischen 6,5 und 8 % erwartet - bei kontinuierlich sinkender Tendenz in den Folgejahren.



Die amtliche Einschätzung prognostiziert für die kommenden 3 Jahre sinkende Jahresdurchschnittspreise für russisches Erdöl: Die Wachstumserwartungen bleiben davon unberührt, denn die russische Wirtschaft beginnt sich laut Alexej Kudrin, dem russischen Finanzminister, spürbar von der Entwicklung am Erdölmarkt zu lösen.



Deutlicher Anstieg in der russischen Ölraffination

Auch dieses Jahr verzeichnet die russische Raffineriebranche ein deutliches Wachstum. In die heimische Raffinierung werden ca. 45% der Ölproduktion Russlands geführt. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2006 stieg der Ausstoß der Erdölverarbeitung um ca. 6% auf 106.000 Mio. Tonnen. Die Erdölförderung stieg im Betrachtungszeitraum um 3,3 %.



Die größten russischen Erdölproduzenten Lukoil, Rosneft, TNK-BP, Surgutneftegas und Gasprom Neft teilen sich den Hauptanteil dieses Marktes.



Dabei entfällt auf Lukoil laut Angaben des russischen Industrie- und Energieministeriums ein Anteil von 18.7 Mrd. Tonnen, auf Yukos 16.7 Mrd. Tonnen und TNK-BP verarbeitete 10.3 Mrd. Tonnen. Darüber hinaus meldete das russische Statistikamt einen Anstieg von etwa 5% in der Benzinherstellung und 8% in der Dieselproduktion. Auch die Primärölverarbeitung wuchs mit 125 Mio. Tonnen von Januar bis Juli 2006 um fast 6%.

In den ersten 7 Monaten des Jahres 2006 exportierte Russland 145,5 Mio. Tonnen Erdöl, davon 21,5 Mio. Tonnen an Staaten innerhalb der GUS.
Bedeutsam ist aus Sicht des Industrie- und Energieministeriums der anhaltende Trend zu steigenden Öllieferungen an den Binnenmarkt. Russische Erdölraffinerien lieferten 82 % der gesamten Benzinproduktion an den Inlandsmarkt, 45% der Dieselproduktion sowie 36% des Heizöls.
Für das Gesamtjahr 2006 erwartet das Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Handel Russlands einen Anstieg um 2,6% in der Erdölförderung und um 4,6% in der primären Verarbeitung. Außerdem soll bis Jahresende der Export von Rohöl und Ölprodukten um 1 % bzw. 6% zulegen.



Ist China der Zukunftsmarkt russischer

Energieprodukte ?

Chinas Bedarf an russischem Erdöl übersteigt die derzeitigen Exportmöglichkeiten Russlands. Die voraussichtlichen Ausfuhren russischen Rohöls auf diesen boomenden Wachstumsmarkt betragen dieses Jahr 15 Mio. Tonnen. Dies wäre ein Anstieg von rund 17% im Vergleich zum Vorjahr und würde über 10% der gesamten Öleinfuhren Chinas umfassen. Um der vorhandenen Nachfrage gerecht zu werden, ist derzeit der Bau einer 1030 km langen Ölleitung mit einer Kapazität von 30 Mio. Tonnen jährlich geplant, meldete China Economics Net unter Berufung auf das Handelsministerium in Beijing.
Nach Einschätzung russischer Experten werden im Osten Chancen vergeben. Ein Ausbau der Kapazitäten tut laut Andrei Ostrovsky dringend not. In der Tageszeitung Vremja Nowosti vom 16. August, verweist der Leiter des Instituts für Fernöstliche Studien an der Russischen Akademie der Wissenschaften zum einen darauf, dass sämtliche Erdöl- und Erdgaspipelines Westsibiriens Richtung Westen verlaufen und daraus ein starke Benachteiligung in der ökonomischen Entwicklung der östlichen Landesteile Russlands erwächst. Diese Infrastrukturdefizite seien aber auch der zentrale Grund dafür, dass russische Brennstoffe die nordöstlichen asiatischen Märkte derzeit nur in unzureichendem Umfang erreichen. Länder wie China, Japan und Südkorea müssen sich derzeit um von Russland unabhängige Wege bemühen, um den Energiebedarf der wachsenden Wirtschaft zu decken. Der Bau einer Ölpipeline von Kasachstan in die westliche Provinz Xinjang könnte China zukünftig den direkten Zugang zu den Ölvorkommen Zentralasiens ermöglichen – und Russland bleibt außen vor. Eine andere These wird von dem Energieexperten Wladimir Milov vertreten. Der Präsident eines unabhängigen Energieinstituts in Moskau sieht die Zukunft wachsender russischer Erdölexporte in einem Pipelinebau zum Hafen Murmansk, um von dort die Märkte Nordamerikas zu beliefern. Für die Realisierung eines solchen Vorhabens scheint derzeit jedoch keine Unterstützung vor zu liegen. Die Pläne für eine ostsibirische Pipeline nach China bewertet Milov als kommerziell fragliches Unterfangen, da alleine die Transportkosten bis zur Pazifikküste um 10 US$ pro Barrel betragen dürften. Noch kritischer betrachtet dieser Analytiker die Zusammenarbeit mit China im Erdgasbereich. Hierzu führte Milov anlässlich eines Vortrags vor der amerikanischen Handelskammer in Moskau aus, dass China kaum bereit sein dürfte, für Erdgaslieferungen aus Russland kostendeckende Preise in Höhe von deutlich über 40 US$/ tausend m⊃3; zu bezahlen. Für russisches Gas bleibe Europa der wichtigste, weil lukrativste Markt.



Ausblick und Raffineriekapazitäten Russland

Im Bereich der Erdölindustrie war die Lage vergangener Jahre von einem weltweit stark gestiegenen Ölverbrauch und Preisen auf Rekordniveau geprägt. Aufgrund hoher Nachfrage, insbesondere nach leichten Raffinerieprodukten, sind laut Lynn Elsenhans, Executive Vice President bei Royal Dutch Shell, die Raffineriemargen auf ein Niveau gestiegen, das weltweit in großem Umfang Investitionsvorhaben ausgelöst hat.
Zitiert nach einem Beitrag der Fachzeitschrift Hydrocarbon Processing (April 2006) prognostiziert diese Expertin in den nächsten Jahren besonders in China, Indien und im Mittleren Osten einen starken Zuwachs der Raffineriekapazitäten und damit einhergehend einen Anstieg der Verarbeitungsmenge um bis zu 1,5 Mio. Barrel pro Tag. Derzeit, so Elsenhans, befinden sich weltweit 150 petrochemische Projekte mit einem Gesamtbudget von über 1 Mrd. US-$ in Planung, Fertigung und Montage. Hiervon werden alleine 50 in China durchgeführt.
In Russland wird in den kommenden Jahren ein Anstieg von bis zu 7 % in der Erdölverarbeitung erwartet. Dies kann allerdings nur durch umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen erreicht werden, denn zwei Drittel aller heutigen russischen Raffinerien sind älter als 30 Jahre. Für Ersatz- und Reparaturmaßnahmen können pro einzelner Raffinerie Investitionen in Höhe von bis zu 1,5 Mrd. US $ notwendig sein. Da weltweit die Anlagenbauer im Petrolbereich bis zur Kapazitätsgrenze ausgelastet sind, zeichnen sich schon jetzt Engpässe im Bereich qualifizierten Personals ab. Mit Übergang der Planungen in die Realisierungsphase wird dies auch besonders den Bereich der Fertigung und Montage betreffen. Die TS Consult und ihr Partnerverbund bieten gerade in diesem Bereich ein hervorragendes Servicepaket, das von der Baustelleneröffnung über Montage und Chefmontage bis hin zur Abnahme nach TÜV oder russischer GOST Norm reicht.





Geht der Tank zur Neige ?

Dies fragten sich Stephen P.A. Brown und Richard Alm in einem Beitrag für den Economic Letter der
Federal Reserve Bank of Dallas, USA, der bereits im April dieses Jahres publiziert wurde.Angesichts der aktuell hohen Ölpreise, wird die öffentliche Debatte auch in Deutschland immer wieder von der Frage angeheizt, wann uns das Öl ausgeht bzw. ob wir durch anhaltend hohe und zukünftig noch steigende Ölpreise in unserer wirtschaftlichen Entwicklung gelähmt werden. Anlass für solche Spekulationen bietet sich derzeit genug. So stieg der Preis pro Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate von 32,20 US-$ Ende 2003 auf 75 US-$ im April 2006. Viele Branchenanalysten und Insider sehen die zentrale Ursache hierfür in der deutlich gestiegenen Nachfrage auf den Wachstumsmärkten Indien und China sowie der derzeit starken konjunkturell gestiegenen Nachfrage in den USA. Schreckszenarien von Barrelpreisen bei 200 US-$ sind Gegenstand der Debatte unter jenen Experten, die von einer zukünftig weltweit rückläufigen Erdölförderung bei gleichzeitig wachsendem Bedarf ausgehen. So sieht z.B. der bekannte US Ölmagnat T. Boone Pickens keine Anzeichen für eine mittelfristig rückläufige, sondern eine anhaltend steigende Preisentwicklung. Allerdings geht die herrschende Meinung führender Analysten, so z.B. auch die International Energy Agency, von einer weit weniger alarmierenden Entwicklung aus. Die heute bekannten Reserven (1,3 Billionen Barrel) dürften dieser Einschätzung zu Folge genügen, um auch kommende Generationen mit dem begehrten Rohstoff sicher zu versorgen. Das US Geological Survey geht zudem davon aus, dass mindest die doppelte Menge konventioneller Vorräte auf der Erde vorhanden ist. Zieht man z.B. kanadische Ölsande in diese Betrachtung mit ein, erhöht sich diese Zahl gar auf 2,8 Billionen Barrel. Zieht man den derzeitigen Weltbedarf (85 Millionen Barrel pro Tag) als Bemessungsgrundlage heran, so reichen diese Vorkommen, um die heutige Nachfrage für weitere 90 Jahre zu decken. Andere Vorkommen, wie z.B. Ölschiefer, bleiben bei dieser Rechnung außer Betracht. Hohe Ölpreise, so die Autoren des Economic Letter, setzen zu dem Mechanismen in Gang, die die Verbraucherländer veranlassen, ihre Energieeffizienz zu erhöhen und nach alternativen Energieträgern zu forschen, was zugleich die Nachfrage nach Erdöl tendenziell verringert.







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